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    Tischlermeister Karl-Heinz Holste ist "Topgründer im Handwerk"

    Das Magazin "Faktor 3" berichtet in der aktuellen Ausgabe über die Erfolgsgeschichte eines Handwerkers, der sich erst vor 2 Jahren selbstständig gemacht hat.

    Foto: Moritz Ortjohann

    Als sich der Tischlermeister Karl-Heinz Holste vor zwei Jahren selbstständig machte, ahnte er nicht, dass er wenig später einer der drei Sieger im bundesweiten Wettbewerb „Top Gründer im Handwerk“ sein würde. Nur ein Jahr später wurde er auch noch für den heimischen NRW-Gründerpreis nominiert.

    Auch wenn der Alltag längst wieder eingekehrt ist, erinnert sich Holste gerne an beide Ereignisse. In seiner so sympathisch zurückhaltenden Art erzählt er von der Reise nach Berlin, wo er gemeinsam mit einem Bäckermeister und einem Koch – ausgewählt aus 70 Teilnehmern – während des Bundeskongresses der Handwerksjuroren geehrt wurde. Er erhielt einen Preis, den das handwerk magazin alle zwei Jahre für die innovativsten und erfolgreichsten Unternehmensgründer auslobt. Das Preisgeld, ein paar Tausend Euro, sei nicht das Wichtigste gewesen, vielmehr die gute Werbung in den Medien. Ebenso wie beim Gründerpreis NRW, wo Holste unter 143 Bewerbern als einer der zehn Besten und als Einziger aus dem Kreis Gütersloh nominiert wurde. Bei der gelungenen Präsentation in Düsseldorf unterstützte ihn Nicola Weber, die Wirtschaftsförderin der Stadt Rheda-Wiedenbrück.

    Von Anfang an erfolgreich
    Eigentlich wollte Holste Landwirt werden und machte doch auf Anraten der Eltern eine Ausbildung beim Tischlermeister Friedel Papenfort in St. Vit. Hier lernte er sein Handwerk und „blieb dort hängen“, wie er lächelnd sagt. Nach der Gesellenprüfung legte er 1999 in Paderborn die Meisterprüfung ab. Weitere berufliche Erfahrungen sammelte Holste in der Tischlerei Steinkämper in Rietberg und in der Fenster- und Türenfertigung Gronau in Versmold.

    Nach knapp 15 Jahren war es dann so weit: Holste machte sich selbstständig. Schon lange hatte er auf die passende Gelegenheit gewartet. Die fand er 2013 im Angebot von Manfred Vogt, dessen 125 Jahre alte Tischlerei in Rheda-Wiedenbrück am Bosfelder Weg er übernahm. Beide waren sich schnell einig und schlossen zunächst einen Fünf-Jahres-Pachtvertrag. „Ich wollte schon immer mein eigenes Ding machen, selbst Ideen verwirklichen“, betont der Tischlermeister. Holste mietete die Maschinen und übernahm beide Mitarbeiter. Wenig später bot sich eine weitere Chance, als er in der Gilde „Schreineramt“, wo er selbst Mitglied ist, erfuhr, dass „Türen und Fenster Michels“ für seine Halle an der Ringstraße in Rheda-Wiedenbrück einen Käufer suchte.

    Das hört sich nach einer sehr schnellen Entwicklung an, die nicht so einfach zu stemmen war. Der 43-Jährige lacht: „Wenn man im Handwerk den Meister macht, dann ist eigentlich der Weg in die Selbstständigkeit vorgezeichnet.“ Er ging auf Nummer Sicher und kaufte erst im Nachgang die Maschinen auf. Ein Zugewinn waren die übernommenen Stammkunden. So geschah alles in einem überschaubaren Rahmen, auch wenn, so Holste, „ich immer noch nicht richtig wusste, ob das auch alles so funktionieren würde“.

    Moderate Ergänzungen
    Aber irgendwie habe er von Anfang an einfach Glück gehabt. Gleich im ersten Jahr erhielt er einen Auftrag im Wert von mehr als 100.000 Euro und baute eine Villa in Keitum auf Sylt komplett aus. Wenig später entwarf er für den früheren Fußball-Bundesliga-Spieler Patrick Owomoyela Tische und Stühle, die er in seinem Betrieb herstellte. Auch daran erinnert sich der Tischlermeister gerne. „Wir mussten sofort jemanden einstellen, um das alles zu schaffen.“ Die Zahl seiner Mitarbeiter war mittlerweile angewachsen: „Mit mir sind es vier Meister, zwei Gesellen und vier Lehrlinge.“ Die gute Auftragslage gab das her. Das war schon ein tolles Erfolgserlebnis, wie der Jungunternehmer es selbst nennt. Glück ist sicher die eine Sache, aber ohne sein Engagement und eine ganze Portion Mut hätte Holste das alles nicht geschafft. Am Anfang seiner Selbstständigkeit wurde er von der Handwerkskammer unterstützt und im laufenden Betrieb auch noch beraten.

    Heute steht auf seinem Firmenflyer: „Wir fertigen Möbel in höchster Qualität nach Ihren individuellen Wünschen und Vorgaben.“ Genau das ist es, was er als klassischer Tischler macht: sowohl Möbel für alle privaten Wohnbereiche als auch Spezialeinbauten für den Messe- und Ladenbau oder für Arztpraxen, um nur einige Beispiele zu nennen. Obendrein ist Holste als zuverlässiger und qualifizierter Zulieferer der Möbelindustrie gefragt.

    Der Maschinenpark ist für die Größe seines Betriebs sehr vielfältig. Moderat hat er ihn dort ergänzt, wo es vor allem um ergonomisches Arbeiten ging. Dank eines Plattenhebers („Sauger“) müssen schwere Holzplatten nicht mehr per Muskelkraft angehoben werden. Beim Einzug wurde die Halle an der Ringstraße komplett renoviert. An erster Stelle stand die Investition in neue Computer mit guter Software. So können die Kunden mit detaillierten 3D-Zeichnungen beim Angebot zu überzeugt werden.

    Feine Handarbeit ist gefragt
    Der junge Unternehmer freut sich über die gute Auftragslage – drei Monate im Voraus ausgelastet zu sein, das sei sehr gut. Aber das Wichtigste sei die gleichmäßige Auslastung. Eine Garantie gibt es nicht, dennoch funktioniert die sogenannte Mundpropaganda noch immer am besten. Klar müsse er selbst aktiv sein. Und da laufe heute viel über Recherchen im Internet. Da drängt sich die Frage nach der Konkurrenz auf. Die Antwort kommt prompt: „Wir kommen uns nicht in die Quere, obwohl der Kreis Gütersloh ja eine ‚Hochburg der Tischlerei‘ ist.“ Es sei eher so, dass man sich gegenseitig helfe. Bei einem kurzen Gang durch die Montage, wo Möbel verleimt und zusammengebaut werden, wird sichtbar, dass noch viel feine Handarbeit gefragt ist. Zwischen den Maschinen in der Fertigungshalle imponieren zwei große CNC-Fräsen. Was insgesamt auffällt, ist die ausgeglichene Stimmung, die auch von zwei Lehrlingen bestätigt wird. In der Lackieranlage treffen wir Sophie Tönsfeuerborn, die sich gerade auf die Gesellenprüfung vorbereitet und ihre Entscheidung für das Tischlerhandwerk bis heute nicht bereut hat. Und im ersten Lehrjahr ist Gregory, der strahlend sagt: „Ich komme mit Begeisterung in den Betrieb, weil man hier im Team arbeitet und alles ausführlich erklärt bekommt.“ Darauf legt Holste Wert und sieht dabei den Vorteil in einem kleinen Betrieb, „wo jeder einmal jede Maschine bedienen und kennenlernen kann“. Ja, Ausbildung wird bei Holste großgeschrieben. Wenn knapp die Hälfte von neun Mitarbeitern Lehrlinge sind, dann ist das schon vorbildlich.

    Holste ist ein stiller, aber auch stolzer Unternehmer. Einerseits entschuldigt er sich für so manche noch nicht aufgeräumte Ecke, aber andererseits lässt er es sich nicht nehmen, uns das „Herzstück des Betriebs“ zu zeigen: die Hackschnitzelanlage. „Rund die Hälfte des Stroms produzieren wir selbst. Wir verbrennen die Späne und haben auf dem Dach eine Photovoltaikanlage.“ Damit ist er auch, was die ökologische Verantwortung betrifft, so manchem eine Nasenlänge voraus.

    Es ist schon beeindruckend, wie trocken und doch weise vorausblickend der junge Tischlermeister über das bisher Erreichte und über Zukunftsvisionen spricht. „Wir sind ein bisschen größer geworden – und das reicht. Wir haben die passende Größe, unsere Aufträge zu bewältigen. Gleichzeitig glaube ich nicht, dass die Konjunktur weiter so positiv bleiben wird.“ Karl-Heinz Holste hat seit Beginn seiner Selbstständigkeit vor fünf Jahren die Beschäftigtenzahl ver­vierfacht und den Umsatz verdreifacht. Das hört sich gut an.

    (Quelle: Magazin "Faktor 3" Herausgeber: Flöttmann Verlag GmbH www.floettmann.de)

    05.07.2018 11:47 Alter: 162 Tage